3. Die Geburt des Raben

Ewar einmal, ist noch und wird immer so sein, solange das Universum in seiner Größe und Schönheit besteht. Es ist ohne Anfang und Ende. Herrliche Sterne gehen aus ihm hervor, keiner gleicht dem anderen. Sternschnuppen druchstreifen das Firnament, künden von Geheimnissen, den Welten, vom Unbekannten und fremder Schönheit. Eine dieser Sternschnuppen spiegelte sich in dem klaren Wasser eines Sees, an dessen Ufer ein kleiner Junge lag. Ein linder Windzug berührte fast zärtlich das Schilf, umspielte die Locken des Knaben und tanzte mit den lieblichen Melodien, die der Flöte des Kindes entstammten. Blätter fielen von den Bäumen und während ihre Falles wurden sie rot oder gelb, welkten, fielen leise knisternd auf die Erde. Noch während einige der Blätter fielen verwandelten sich die anderen in kleine weiße Schneeflocken, bedeckten Erde und Laub mit zarten Schleier. Doch aus dem Schnne gingen die Blüten der Bäume hervor, kündete Vogelzwitschern von der Nähe des Frühlings. Der Schleier der Erde schmolz und die einstigen Blüten des Lenzes verwandelten sich in Früchte.
Erstaunt hilet der Knabe inne. Seine Flöte glitt aus den wohlgeformten Händen und fiel in das verdorrende Gras. Da befiel den Knaben eine Vorahnung, wurde zur fürchterlichen Gewissheit, die ihm die Luft raubte, ihm den Brustkorb zusammenzuschnüren schien. Die Blüten, denen es nicht vergönnt war dem Wandel zu unterliegen, fielen wie tänzelnde, leichtfüßige Elfen in das klare Wasser des Sees. Es erhob sich eine Windsbraut, die stetig an Kraft zunahm, die das Obast von den Bäumen riss, die die Blätter in wilden, ekstatischen Tänzen, ergrauen ließ. Das Blütenmeer begann zu kreisen, immer schneller, bis es sich in rasender Geschwindigkeit drehte. Die Farbe der Blüten verwandelte sich in das tiefste Rot, das der Knabe jemals gesehen hatte, und in der Mitte des Sees bildete sich ein schwarzer Schlund. Aus jenem stieg der Rabe Shaddan.  Er brachte das Böse auf die Welt. Das Land, das er mit seinem schweren, glänzenden Gefieder überflog verdorrte. Traurig wuchsen die Zweige der Bäume gen Himmel, baten die Sonne um Hilfe, stumm aber fühlbar mit dem Schrei der gequälten Natur, so das jene, die das Leid der Welt nicht mehr ertragen konnte, sich hinter dem Mond verbarg.
Der Knabe begann zu weinen. Seine Tränen benetzten den Boden und, wo jene hinfielen ward, der Schmerz des Lebens gemildert. Der Knabe hob die Flöte auf und begann zu spielen. Die Melodien ließen das Kind vergessen und so wich seine Seele dem Körper, bis seine Hülle zu Boden sank und der Knabe starb. Doch der Rabe hatte es gesehen und belegte die Seele des Kindes mit einem Fluch. Dann flog der Rabe in das Land der drei Weisen. Wenn sein Schweiß fiel, enstanden Gletscher, wenn er eine seiner Federn verlor und diese den Boden berührte, so senkte sich die Erde, als ob sie sich vor der Berührung des Raben fürchtete und so entstanden Täler und Höhen. Wenn er eine Rast einlegte, so wurden jene Stätten zu Ödeneien, unbelebbar für Mensch und Tier. Er umflog einmal das Erdenrund, dann hatte er sein Ziel erspäht. Das Schloss der drei Weisen lag vor ihm.





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4. Das Schloss der drei Weisen



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